Der unmögliche Flug

„Impossible is nothing.“ Oder: „Impossible is just a big word, thrown around by small men.“

Dies sind nur zwei Zitate von unglaublich vielen, die ganz kühn behaupten, dass es so etwas wie Unmöglichkeit nicht gibt. Und es gab und gibt auf dieser Welt auch immer wieder Menschen, die das zu beweisen scheinen. So galt es lange für unmöglich, eine Meile, die 1609,344 Metern entspricht, in unter vier Minuten zu laufen. Doch Roger Bannister war der erste Mann, der das 1954 schaffte und damit bewies, dass es nicht unmöglich war. Nach ihm schafften es dann auch immer wieder andere Männer, weil es eben nicht mehr als unmöglich galt.

Und so geschah das auch mit anderen Dingen und Vorhaben. So musste sich auch Elly Beinhorn anhören, dass ihr Plan, als erste Frau der Welt einmal um die Erde zu fliegen, unmöglich wäre. Doch sie tat es und bewies damit, wie viele andere, die Verschiebbarkeit von Grenzen.

Sind das besondere Personen, die felsenfest an ihren Traum glauben und ihn dann auch tatsächlich in die Tat umsetzen? Oder hat jeder von uns das Zeug dazu, die Möglichkeit seiner Träume zu beweisen, auch wenn keiner daran glaubt?

Elly Beinhorn (1907-2007)

Elly Beinhorn (1907-2007)

Betrachtet man die Lebensgeschichte von Elly Beinhorn, deutet nichts darauf hin, dass sie ein auserwählter Mensch war, von dem alle wussten, dass er Großes vollbringen wird. Sie wuchs als Einzelkind in Hannover auf, was ihrer eigenen Meinung nach viel dazu beitrug, dass in ihr überhaupt der Wunsch heranwuchs, eine Fliegerkarriere zu starten. Und dieser Wunsch wurde mit den Jahren immer stärker. Sie machte kein Abitur und hatte erst einmal keine konkreten Zukunftspläne, wie man es von „erfolgreichen“ Menschen vielleicht erwartet. Erst als sie 1928 den Vortrag von Hermann Köhl hörte, einem Piloten, der von seiner Non-Stop-Überfliegung des Nordatlantiks erzählte, wurden ihre Pläne konkret. Und zwar sehr. Nur einen Tag später bewarb sie sich als Flugschülerin, wurde in Hannover jedoch abgelehnt, da weiblichen Piloten keine Zukunft vorhergesagt wurde. So bewarb sie sich auch in Berlin und wurde dort – trotz ähnlicher Bedenken – angenommen. Die Ausbildungskosten bezahlte sie mit ihren gesamten Ersparnissen und zog dann, gegen den Widerstand ihrer Eltern, nach Berlin. Ihren ersten Alleinflug während der Ausbildung beschrieb sie als etwas, dass ihr das Tor zu einer „neu geschenkten Welt“ eröffnete. Schließlich schloss sie ihre Ausbildung erfolgreich ab und vervollkommnete ihre Flugkenntnisse mit weiteren Scheinen.

Daraufhin machte sie Karriere als Kunstfliegerin. Bei ihrem ersten Auslandsflug musste sie eine alpine Notlandung absolvieren, da sie das Frack eines anderen mittransportierte. Auch eine Bruchlandung musste sie überstehen und lernte dadurch, gewisse Grenzen zu akzeptieren. Von ihren Kunstflügen lebte sie, doch ihr eigentlicher Wunsch waren Langstreckenflüge. Die Erfüllung dieses Wunsches bot sich 1931 bei ihrem ersten Afrikaflug. Es war eine Westafrikaexpedition österreichischer Forscher, für die sie die Luftaufnahmen machen wollte. Sie bewarb sich für diesen Job und hatte auch hier mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen. Es gab keine Unterstützer und sie musste Kredite aufnehmen, um die anfallenden Kosten zu tragen. Ihre Erfolgsaussichten wurden angezweifelt. Doch sie hatte Erfolg und erlebte nicht nur viel Neues und Beeindruckendes, sondern auch viele Schwierigkeiten, die sie meisterte und über die berichtet wurde, sodass sie zu einer nationalen Berühmtheit wurde.

Dann folgte 1932 ihre erste Weltumrundung im Alleinflug. Auch hierfür musste sie das Geld selbst aufbringen und Schulden abstottern, bis sie am 4. Dezember 1931 dann zu ihrer Weltumrundung abhob. Sie lernte zwei Amerikaner kennen, die sich ebenfalls auf einer Weltreise befanden, sie wurde Berühmtheiten vorgestellt, lernte Königspaare kennen und konnte sich den Wunsch erfüllen, zum Mount Everest zu fliegen. Aber sie hatte auch immer wieder mit Notlandungen und Problemen an ihrem Flugzeug zu kämpfen. Die positiven Erfahrungen überwogen allerdings und besonders Sydney faszinierte sie sehr. Auf ihrer Reise musste sie ihr Flugzeug mehrmals zerlegen, es wurde durch hilfreiche Menschen etwas umgebaut, Gepäck musste zurückgelassen werden. Am 26. Juli 1932 jedoch kehrte sie mit unbeschadeter Maschine nach Berlin zurück. Das einzig Negative an der langen Reise waren ihre Schulden, die inzwischen mehrere tausend D-Mark betrugen, die jedoch ausgeglichen wurden, indem sie den mit 10.000 Mark dotierten Hindenburgpokal für die beste sportfliegerische Leistung erhielt. Zudem konnte sie nun ihre weiteren Flugträume in die Tat umsetzen. Es folgten unter anderem ein zweiter Afrikaflug, eine Amerikareise und ein Rekordflug über zwei Kontinente in 24 Stunden.

Elly Beinhorn heiratete den Rennfahrer Bernd Rosemeyer, bekam einen Sohn von ihm und musste akzeptieren, dass er bereits zwei Jahre später starb. Einige Jahre später heiratete sie erneut und bekam noch eine Tochter. Auch die Kriegs- und die Nachkriegszeit überstand sie und kehrte immer wieder zum Fliegen zurück. Es folgten viele weitere Flüge und auch viele Auszeichnungen. So schrieb sie viele Bücher (das erste erschien im Dezember 1932, mit dem Titel: “Ein Mädchen fliegt um die Welt”) und wurde 1991 sogar mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet.

Sie führte also ein aufregendes, ein besonderes Leben und erlebte, was nicht viele erleben. Aus ihrer Biografie geht indes an keiner Stelle hervor, das sie eine besondere Begabung aufwies. Wie hat sie es dennoch geschafft? Möglicherweise einfach dadurch, dass sie Ziele und Träume hatte und sich nicht unterkriegen ließ, egal was schief ging und egal, wie wenig Unterstützung sie bekam. Sie kam nach Rückschlägen wieder auf die Beine und glaubte an sich, auch wenn es sonst niemand tat. Außerdem hatte sie den Willen, was sie sich in den Kopf gesetzt hatte, auch umzusetzen. Vielleicht braucht es gar nicht viel mehr, außer dem nötigen Glück möglicherweise noch, um sich selbst und anderen zu beweisen, dass die eigenen Träume eben nicht unmöglich sind.

„Impossible is nothing“ – das sollten wir uns merken. Denn es braucht nur einen Menschen, der das Unmögliche eben doch möglich macht und schon wird es viele andere geben, die das angeblich Unmögliche auch tun.